There were some books that reached through the noise of life to grab you by the collar and speak only of the truest things. „A Confession“ was a book like that. In it, Tolstoy related a Russian fable about a man who, being chased by a monster, jumps into a well. As the man is falling down the well, however, he sees there’s a dragon at the bottom, waiting to eat him. Right then, the man notices a branch sticking out of the wall, and he grabs on to it, and hangs. This keeps the man from falling into the dragon’s jaws, or being eaten by the monster above, but it turns out there’s another little problem. Two mice, one black and one white, are scurrying around and around the branch, nibbling it. It’s only a matter of time before they will chew through the branch, causing the man to fall. As the man contemplates his inescapable fate, he notices something else: from the end of the branch he’s holding, a few drops of honey are dripping. The man sticks out his tongue to lick them. This, Tolstoy says, is our human predicament: we’re the man clutching the branch. Death awaits us. There is no escape. And so we distract ourselves by licking whatever drops of honey come within our reach.
Jeffrey Eugenides: The Marriage Plot; schamlos von der Gröner kopiert
Schließen Sie die Augen für einen kurzen Moment. Ein Nachbild bleibt haften. Die Kontur eines Raums, aus dem die vertrauten Bezüge gewichen sind. Auf der Schwelle zu diesem Räumen "nach dem Lidschlag" steht die Kamera. Steht wie auf den Zehenspitzen, als wollte sie hinein und dann wieder nicht. Schwellenangst. Der Verdacht hängt in der Luft, dass sie unbetretbar sind. Wenn man sie beträte, würden die Spuren derjenigen verschwischt, die schon hindurchgegangen sind. So muss man sich damit begnügen, das, was sich dort einmal abgespielt hat, durch erinnerndes Betrachten ins Gedächtnis zurückzurufen. Es haben hier ganz unbestreitbar schwere Verbrechen stattgefunden. Doch wie der "Knallzeuge" für den Kriminalisten wertlos ist, weil er die genaue Anzahl der Schüsse im Schock durcheinander bringt, ist auch der die Tat zurückrufende Augenzeuge ein unsicherer Kandidat. Er will das Diptychon und das Triptychon zu jeweils einer Geschichte oder zumindest zu dem zusammenfügen, was hier einmal geschehen ist. Staunend stehen wir vor den Bildern und hören in flüstern: "So könnte es gewesen sein!"
– Hanns Zischler in: Naomi Schenk, Archiv verworfener Möglichkeiten
Selbst wenn diese Räume für immer aus der Gegenwart getilgt sind, fremd geworden allen Zukunftsverheißungen, selbst wenn man keinen Speicher mehr besitzt, selbst wenn man die Dachstube verloren hat, immer wird es wahr bleiben, daß man einen Speicher geliebt hat, in einer Dachstube gelebt hat.
Manchmal glaubt man sich in der Zeit auszukennen, wenn man doch nur eine Folge von räumlichen Fixierungen des feststehenden Seins kennt, eines Seins, das nicht verfließen will, das sogar in der Vergangenheit, auf der Suche nach der verlorenen Zeit, den Flug der Zeit "aufheben" will. In seinen tausenden Honigwaben speichert der Raum verdichtete Zeit. Dazu ist der Raum da.
Kein Gatsby werden.
Stellt man Fotos einer Stadt in derselben aus, zeigt man ihren Insassen eine fremde. Darin liegt das Universelle: kaum jemand kennt seine Umgebung. Darum auch die Aufforderung, da vorne mal nach rechts statt immer nur, geordnete Bahnen, nach links abzubiegen. Dazu motivieren, seine eigene Umgebung besser wahrzunehmen, steht dann im Artist's Statement. Eigentlich aber geht es um Bernhard:
Koller eröffnet sich "auf einmal und urplötzlich", ein neues wissenschaftliches Feld, weil er im Wiener Wertheimpark von seinem gewohnten Weg abweicht: Statt, wie üblich, zur alten Esche geht er zur alten Eiche.
— Thomas Berhard: Ja; Nachwort zur Neuauflage
Man schleppt an unzähligen Dingen das Doppelte: erstens das, was die Dinge für sich selbst sind. Und zweitens das, was sie werden, was uns der Schrecken aufzwingt, wenn man sie anschaut. Und dieses Zweite ist Beschädigung, verursacht durch eine Angst, die im Kopf bleibt. Man gerät mit dem Verstand in den Zwischenbereich von normal und gestört: Einerseits betrachtet man die Dinge weiter genau und real, andererseits legt sich das Bild der Verstörung darüber. Die Wahrnehmung springt gegen meinen eigenen Willen an den falschen Magnet. Eine masochistische Herumtreiberei, aber zugefügt ist sie von außen. Und sie ist selbstständig wie eine Uhr, auch wenn die Angst von damals weit zurückliegt. Denn ich weiß bis heute, es gab Tage, an denen ich die Angst nicht eingrenzen konnte. Eine richtungslose Leichtigkeit trieb mich, der Überdruss kippte in Euphorie. Diese Tage waren gefährlich, weil ich die Gefährdung nicht mehr ernst nahm. An meinem inneren Kompass zitterte die Nadel wie im Wind. Ich wurde von mir weggelockt – sogar der Gedanke an Suizid war verlockend schön. In diesem Zustand passierte aber immer doch noch eine Kleinigkeit, die mich zu mir selbst zurückholte. Und dann stand ich wieder im Gewöhnlichen – eine gleichmäßige Traurigkeit. Bis ich wieder so strapaziert war, dass der Überdruss in reißende Betörung umschlug.
— Herta Müller: Die Ferne ist hinter den Augen